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Heiligabend 2011
Weihnachten 2011

 

Pfarrkirche Maria Heimsuchung, Bubenreuth

 

 

 

Predigt zu Lk 2,1-14

 

 

Hineingeboren

 

in diese Heilige Nacht und in alle Nächte

 

 

 

Liebe Schwestern, liebe Brüder.

 

Der grüne Kranz mit seinen vier Kerzen, verschiedene Symbole dieser besonderen Zeit – Engel, Sterne, der Nikolaus, funkelnder und leuchtender Zierrat – das alles begleitet uns seit Wochen.

 

Und nun, in dieser heiligen Nacht, wird zu all dem – besser: inmitten all dessen – die Krippe gestellt, dieses schäbige Kinderbettchen, in dem der neugeborene Jesu liegen muss. Dazu gesellen sich Maria und Josef und eine Reihe von Tieren. So steht sie dann da für die nächsten Tage: Die Weihnachtskrippe.

 

Und nicht nur das: Wir sorgen für ein bestimmtes Ambiente. Dieses wird um ehesten ermöglicht durch Dunkelheit drum herum und durch nur sanftes Dämmerlicht.

 

Damit richtige Weihnachtsstimmung aufkommen kann, müssen wir warten, bis es Abend geworden ist. Weihnachten, mitten am Tage, in gleißender Mittagssonne, hell erleuchtet, dass alle alles sehen können – unvorstellbar! Weihnachten, darauf verweist schon der Name des Festes, hat mit „Nacht“ zu tun.

 

In der Weihnachtsgeschichte, wie sie der Evangelist Lukas überliefert, und wie wir sie soeben wieder neu gehört haben, ist von der uns so selbstverständlichen Nacht zu Weihnachten nur an einer Stelle die Rede:

 

Es sind die Hirten, draußen auf dem Feld, die „Nachtwache“ bei ihren Herden abhalten, als sie der Glanz des Herrn umstrahlt, und sie sich vom Engel erzählen lassen, was sich Wunderbares zugetragen hat. Der „Glanz des Herrn“ verbreitet sich für die Hirten eindrucksvoll in der Finsternis der Nacht. Alles andere uns so Vertraute, ist uns lieb gewordene Tradition:
Weihnachten 2011

  •  In jedem Krippenspiel, in jeder bildlichen Darstellung sind Josef und die hochschwangere Maria abends unterwegs, um für sich eine Herberge zu suchen. Langsam bricht die Nacht herein – und quasi in letzter Minute erhalten sie die Chance, sich ihr Nachtlager im Stall einzurichten.
  • Freilich ist‘s stockfinster um Maria und Josef herum, als das Kind zur Welt kommt. Das geheimnisvolle Geschehen der Heiligen Nacht wird anfangs dezent nur vom Lagerfeuer erhellt, das wir dicht neben Ochs und Esel in unseren Holzställen platzieren.
  • Selbstverständlich brechen die Hirten auch nachts noch auf und treffen auch noch nachts bei Maria und Josef und dem neugeborenen Jesus ein.
  • Nun aber ist es der große, lichthelle Stern, der über dem Stall steht, und der die nächtliche Finsternis verdrängt. Er leuchtet, damit das wunderbare Geschehen ins rechte Licht gerückt wird.
  • Auch die Weisen aus dem Morgenland werden später auf ihrer Nachtwanderung von einem Stern geführt zur Krippe gelangen.

     

Wie gesagt: Die Weihnachtsgeschichte der Bibel erzählt lediglich von der Nachtwache, die die Hirten auf dem Feld draußen vor den Toren Betlehems abhalten. Und dennoch lassen wir es in unseren weihnachtlichen Krippenaufbauten, Krippenspielen und weihnachtlichen Darstellungen immer Nacht sein.

  • So hat es sich über die Jahrhunderte hinweg entwickelt,
  • so hat es sich etabliert,
  • so haben wir es übernommen,
  • so pflegen wir es,
  • so ist‘s für uns selbstverständlich, für sie genauso wie für mich.

     

Für uns ist es grundsätzlich Weih-Nacht.

 

Nacht.

Ursprünglich ist die Erfahrung von Nachtfinsternis für keinen von uns angstbesetzt; im Gegenteil:

  • Im Schutze absoluter Dunkelheit sind wir herangereift und haben mit dieser Erfahrung im Rücken das Licht der Welt erblickt.
  • In sicherer Umgebung schläft es sich hervorragend, wenn’s richtig finster ist.
  • Wir kennen alle den Ausdruck „Im Schutze der Nacht“ – und meinen damit etwas durchweg Positives.
  • Glücklich, wer eine romantische Nacht erlebt hat;
  • oder wer Gelegenheit und Energie besaß, eine ganze Nacht durch zu machen.

     

Aber es gibt auch andere Nacht-Erfahrungen; die bedrohlichen:
Weihnachten 2011

  • Eine Nacht kann lang werden, wenn man sie wartend durchwachen muss.
  • Kranke Kinder wollen nachts ein Licht brennen lassen, um beruhigter schlafen zu können.
  • Unangenehm ist’s, ohne Begleitung in tiefer Nacht auf unbekannten Straßen mit dem Auto fahren zu müssen;
  • noch unheimlicher der nächtliche Fußweg durch finsteres Gelände.
  • Und wer geht schon gern nachts allein hinunter in den Keller?

     

 Des Nächtens hören wir genauer hin, nehmen hochkonzentriert wahr, was sich um uns herum abspielt. Da kann einem ein unbekanntes Geräusch schnell Angst einjagen. 

Nun stehen wir mitten in der Heiligen Nacht; feiern Weihnachten. Wir alle tragen recht konkrete Vorstellungen davon in uns, wie die Weihnachtszeit verlaufen soll, und was möglichst nicht passieren darf.

 

Ich hoffe sehr, dass es viele in unserer Mitte gibt, die die letzten Stunden in wirklicher Harmonie und Fröhlichkeit erlebt haben, und die sich auf die nächste Tage freuen.

 

Ich weiß aber auch, oder ahne es, dass sich in einigen unter uns Fröhlichkeit und Frohsinn an diesem Heiligen Abend nicht so leicht ausbreiten, und die sich vor genau diesen Stunden gefürchtet habe und ängstigen:

  • Ich denke da an alle, die in der letzten Zeit von einem lieben Menschen Abschied nehmen mussten. Der Tod riss eine Wunde, die gerade heute heftig schmerzt.
  • Ich denke da an all jene, die mit einer Krankheit zu kämpfen haben, oder die sich mit den Folgen des Altwerdens abplagen. „Wie wird es weiter gehen?“ Solche Sorgen lassen sich in diesen Stunden nicht mal schnell vergessen machen.
  • Ich denke da an alle, die sich gerade an Weihnachten wehmütig an das erinnern, was früher einmal war, und jetzt nicht mehr ist: Geselligkeit, Partnerschaft, Familie. Einsamkeit wiegt schwer, gerade am Heiligen Abend.
  • Ich denke da auch an all jene, die mit einem gravierenden Konflikt in ihrer Beziehung, in der Familie, mit einem der Kinder umgehen müssen. Die Rede vom Weihnachtsfrieden drückt da bestenfalls eine vage Hoffnung aus.
  • Ich denke ebenso an die, die schlicht Kummer in sich tragen; für die es in ihrem Leben, so wie es sich gerade zeigt und läuft, Nacht ist.

     

Liebe Schwestern und liebe Brüder!
Weihnachten 2011

 

Ausgehend von der biblisch benannten „Nachtwache“ der Hirten bei ihren Schafen, hat sich über Generationen hinweg bis zu unserem Weihnachten-Feiern der Brauch entwickelt – und wir pflegen ihn hingebungsvoll weiter – Weihnachten mit allem, was dazu gehört, ganz und gar in der Nacht zu verorten. Dahinter dürften die Glaubensentdeckungen und die Erkenntnisse von Christen vieler Generationen vor uns stehen, dass das Geheimnis des Weihnachtsfestes vor allem mit den Erfahrungen der Finsternis, des Mangels an Licht, mit unseren bedrohlichen menschlichen Nachterfahrungen zu tun hat:

  • Hinein in all die verschiedenen Nächte, in denen wir feststecken, nähert sich uns Gott in seinem Sohn.
  • Hinein auf die unerleuchteten, schwer erkennbaren Lebenswege, auf denen manche von uns unterwegs sind, ist er einer von uns und uns zur Seite.
  • Hinein in die finsteren Stimmungslagen, die Menschen hinunterziehen und die lähmen können, verschenkt er neue Zuversicht im neugeborenen Kind in Betlehem,
  • lässt er neues Licht aufleuchten.

     

Dieses Licht kann bedeuten:

Fürchtet euch nicht; lasst euch von euren Ängsten nicht kleinmachen!

Ich bin mit euch!

Ich weiche nicht von eurer Seite und halte zu euch!

Schaut her: Ich bin einer von euch!

 

Diese Botschaft vertreibt nicht schlagartig die Finsternis jeder Nacht, aber sie kann sie durchbrechen helfen und sie lässt hoffen aufs Kommende, auf den Tagesanbruch.

 

In diesem Sinne wünsche ich ihnen eine wirklich heilige Nacht, eine Weih-Nacht, in der für sie Gott sein Leuchten aufscheinen lässt:

 

So wie damals auf dem Feld bei den Hirten in ihrer Nachtwache, so wie in den unterschiedlichen Weihnachtsdarstellungen, die wir uns zimmern, soll es Licht werden in ihrem Leben: zu all seinen Tag- und vor allem in seinen Nachtstunden.
Weihnachten 2011

 

Amen.

Matthias Bambynek

kath. Pfarrer in Bubenreuth