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Heiligabend auf dem Eichenplatz 2011


Liebe Mitfeiernde
hier auf dem Eichenplatz am Heiligabend 2011!
Würden wir uns mit denen, die um uns herum stehen, darüber austauschen, wie die letzten zwei, drei, vier Stunden verlaufen sind, und darüber, wie die nächsten zwei, drei, vier Stunden verlaufen werden – wir könnten vermutlich viele Übereinstimmungen entdecken.

So verschieden die Planungen und Vorbereitungen, die Rituale und Traditionen dieses Tages im Detail jeweils sind, der geschmückte Christbaum gehört für fast alle genauso dazu wie das Essen am festlich gedeckten Tisch, wie die Weihnachtsgrüße an Familie, Freunde und Nachbarn – persönlich überbracht oder am Telefon oder per SMS, genau so wie die Geschenke für die Kinder, der Besuch in der Kirche und für viele hier in Bubenreuth diese kurze Feier auf dem Eichenplatz.

So, wie es alle Jahre wieder läuft, schätzen sie, schätzen wir das Weihnachtsfest und vor allem den Heiligen Abend.

  • Was aber macht das Besondere dieser Weihnachtstage aus?
  • Wodurch ragt das Weihnachtsfest heraus aus dem sonst Üblichen?
  • Was mögen sie vor allen und möchten es keinesfalls missen?

Vielleicht ist es diese besondere äußere Stimmung, die für wenige Stunden und Tage eine innere Stimmung erlaubt und hervorbringt, die im täglichen Geschäft, dem wir sonst nachgehen, kaum einen Platz hat:
Wir mögen die Heimelichkeit im Kerzenlicht, wir mögen diese Bilder, den Schmuck, die Dekorationen, die nur jetzt, während dieser Tage ihren Platz haben.
Wir mögen die Lieder und die Musik, die verglichen mit dem, was sonst erklingt, eher ungewöhnlich sind.
Wir mögen diese eher stillen Momente und die Geborgenheit in der Familie und mit Freunden, da wir sonst oft viel unterwegs und nur kurz an einem Ort sind.
Wir schätzen wenigstens das Bemühen, einander freundlich und liebevoll zu begegnen. Weihnachtsfrieden soll sich wirklich ausbreiten können.

Offensichtlich erlauben der Heilige Abend und die Tage, die ihm unmittelbar folgen, das ausgiebig zu zelebrieren, was für uns Menschen wesentlich ist, und was nicht selten an den Rand gedrängt wird:
Zu Weihnachten kommt unsere weiche Seite, die wir eben auch haben, zu ihrem Recht. Wesentliches für unser Menschsein, was wir uns sonst nicht gönnen oder erlauben können, darf sein und ist.
So gesehen ist die Art und Weise, wie wir Weihnachten begehen, auch ein stiller Protest gegen all das, was wir an manchen gesellschaftlichen Entwicklungen und Realitäten beklagen.
Unser Menschsein mit seinen unbedingten Bedürfnissen und Befindlichkeiten rückt ins Licht – ins Licht von Weihnachten.
Mir scheint:
Die Tatsache,

  • dass Weihnachten in diesem Land seit Jahren eine Hochkonjunktur erlebt,
  • dass Alt wie Jung diesem Fest so viel Bedeutung beimessen,
  • dass es für so viele eine wirklich heilige Zeit ist,
  • auch, dass zu dieser abendlichen Feier auf dem Eichenplatz Jahr für Jahr so viele kommen –

all das signalisiert, wie nahe die Botschaft von Weihnachten unserem Menschsein ist; welche Kraft und Zuversicht in dieser guten Nachricht von der Geburt Jesu verborgen liegt:
Gott wird einer von uns, in menschlichem Fleisch.
Dadurch werden wir ermutigt, in guter Weise selber Mensch zu sein, menschlicher zu uns und zu unserem Umfeld zu werden.
Solch göttlich-menschliche Erfahrung wünsche ich ihnen für heute Abend, die folgenden Tage und nicht nur für die Weihnachtszeit.

Worten des Segens möchte ich ihnen zusprechen, Worte, die sie begleiten mögen hinein in diese Heilige Nacht:

Möge Gott
jetzt neu in dir zur Welt kommen.

Möge sein Wort bei dir ankommen
und in dir Hand und Fuß werden.

Möge seine Nähe dein Leben warm machen,
um andere zu erwärmen.

Möge seine Art dich mehr und mehr
zum Menschen wandeln, der ihm ähnlich ist.

Auf diesem Weg der Verwandlung begleite euch alle der euch liebende Gott,
heute, an diesem Heiligen Abend,
an diesem Weihnachtsfest
und in der Zeit, die folgen wird.
Amen.


Aus:
Breitenbach, Roland: Segen für dich. Dein Begleiter für das Jahr. Stuttgart 2005. S. 216.


Matthias Bambynek
kath. Pfarrer in Bubenreuth