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Patronats- und Spitalfest 2011

„Maria Heimsuchung“

Lesung aus dem Buch Jesaja (Jes 66,1-5a)

So spricht der Herr:

Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel für meine Füße.

Was wäre das für ein Haus, das ihr mir bauen könntet?

Was wäre das für ein Ort, an dem ich ausruhen könnte?

Denn all das hat meine Hand gemacht; es gehört mir ja schon, Spruch des Herrn.

Ich blicke auf den Armen und Zerknirschten und auf den, der zittert vor meinem Wort.

Man opfert Rinder und erschlägt Menschen; man opfert Schafe und erwürgt Hunde; man bringt Speiseopfer dar und auch Schweineblut; man spendet Weihrauch und preist einen Götzen.

Wie diese Menschen ihre eigenen Wege wählen und an ihren Götterbildern Gefallen haben, so wähle ich für sie die Strafe aus und bringe über sie Schrecken.

Denn sie gaben keine Antwort, als ich sie rief, als ich zu ihnen redete, hörten sie nicht; sondern sie haben getan, was mir missfällt, und haben sich für das entschieden, was ich nicht will.

Hört das Wort des Herrn, die ihr zittert vor seinem Wort!

 

Predigt zu Jes 66,1-5a

Liebe Schwestern und liebe Brüder.

Wieder einmal ist es da, das Wochenende, an dem wir den Titel unserer Pfarrkirche „Maria Heimsuchung“, und somit unser „Patronats- und Spitalfest“ feiern. Feiern bieten die Chance des Innehaltens, um sich – herausgebrochen aus dem Alltäglichen – über Grundsätzliches Gedanken zu machen. Ich möchte die Chance nutzen, um mit ihnen gemeinsam auf uns, unser Tun in und um diese Kirche, und auf unser kirchliches Treiben allgemein zu schauen.

Wir können fragen:

  • Was braucht Gott?
  • Woran findet Gott Gefallen?
  • Erbaut er sich vor allem an den Hochliturgien unter barockem Zierrat im Petersdom und all den hochfestlichen Pontifikalämtern in den großen Basiliken weltweit – mit Orchestern, imposanter Orgelmusik, Kantoreien und vielen Beteiligten?
  • Kann er Gottesdienste schön finden, die unter weitaus schlichteren Gegebenheiten gefeiert werden, z.B. unter freiem Himmel, mitten auf einem kleinen Platz, wie zuletzt während unserer Ministrantenfreizeit?
  • Gefallen Gott moderne Kirchen, z.B. die unsrige?
  • Mag Gott liturgische Feiern in miefigen Gefängniskapellen oder in der Enge so manches Klinikums oder Altenheimes?
  • Hat er ein Faible für Gottesdienste im tridentinischen Ritus, oder traut er den liturgischen Überlegungen und Entscheidungen der Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils?
  • Erbauen ihn Gesang und Gebet, wenn sie nach unserem Ermessen nicht gerade perfekt sind?
  • Was sagt Gott wohl zu den extrem erbärmlichen und unter großen Gefahren abgehaltenen Gottesdiensten in den finsteren Baracken der Konzentrationslager im letzten Jahrhundert;
  • und was meint er zu den geheim abgehaltenen Feiern heute, in all jenen Ländern, in denen christliche Gottesdienste verboten sind?

 

  • Was braucht Gott?
  • Woran findet er Gefallen?

Mit in diese Richtung gehenden Fragen beschäftigt sich auch das letzte der 66 Kapitel des Prophetenbuches Jesaja. Dort heißt es:

Der Herr spricht: Was wäre das für ein Haus, das ihr mir bauen könntet?

Was wäre das für ein Ort, an dem ich ausruhen könnte?

Denn all das hat meine Hand gemacht; es gehört mir ja schon.

Den historischen Hintergrund für diese Gottesrede bildet eine für das Volk Israel bittere Erfahrung. Es wurde getroffen vom Zorn Gottes. So erklären sich die Israeliten die Vertreibung ins Babylonische Exil.

Im Jahr 586 v.Chr., nach der Eroberung Jerusalems und dem Untergang des Reiches Juda, muss die religiöse und politische Oberschicht das Land verlassen. Während sich in der Heimat die einfachen Leute unter fremden Besatzern abplagen müssen, kommt es in der Ferne, in Babel, gezwungenermaßen zu einer Neubesinnung und Neuorientierung – unter dem Eindruck der Verbannung und fernab des Tempels.

Jahrzehnte später: Der Veränderung der politischen Lage macht es möglich, dass die Israeliten zurück in die zerstörte Heimat können. Neuaufbau ist angesagt – mit allen Erfahrungen und mit all dem Wissen um Traditionen.

Geplant wird auch die Neuerrichtung des Tempels in Jerusalem, jetzt, wo das – Gott sei Dank – endlich möglich ist. Nur:

  • Wie soll er ausschauen?
  • Um was geht es im Grundsätzlichen?
  • Was braucht Gott in seinem Tempel?
  • Woran findet er Gefallen?

Der Herr spricht:

Was wäre das für ein Haus, das ihr mir bauen könntet?

Was wäre das für ein Ort, an dem ich ausruhen könnte?

…und in den folgenden vier knappen Versen gibt Gott durch Jesaja Antwort und Hinweise auf diese Frage; Antwort und Hinweise, die auch für uns heute und hier an unserem Festtag interessant sind,

  • gerade angesichts einer bewegten Geschichte, die zum Bau dieses Gotteshauses geführt hat,
  • angesichts auch von dramatischen Veränderungen um uns herum, in der Gesellschaft mit all ihren unterschiedlichen Bereichen,
  • auch angesichts der Veränderungen in der Kirche,
  • und in der Erwartung von Veränderungen, die auch wir als Gemeinde zu schultern haben, die sich uns stellen werden.

 

  • Was braucht Gott?
  • Woran findet er Gefallen?

Der Herr spricht:

Ich blicke auf den Armen und Zerknirschten.

Zunächst begegnet Gott als einer, der sich auf den einzelnen hin orientiert. Nicht die graue oder v.a. die große Masse zählt; nein, die oder der einzelne sind ihm wichtig; nicht die perfekte Inszenierung eines Spieles, in dem alles stimmt und wunderbar ist. Die Rede ist von den „Armen“ und „Zerknirschten“.

Gott wünscht sich offensichtlich eine Gemeinde, die ehrlich vor ihn hintritt; die neben all dem Schönen und dem Gelingen eben auch die Schwächen zugibt, auch die Enttäuschungen, die manche bis zum Zerknirschen treiben.

Das Perfekte beeindruckt Gott wenig; er blickt zuerst auf die, die ihm ihre Existenz ehrlich zeigen: in ihren Gesprächen miteinander, indem sie ihre Armut und ihre Enttäuschungen auch öffentlich zum Thema machen, und in ihren Gebeten: ganz für sich und gemeinsam.

Der Herr spricht weiter:

Ich blicke auf den, der zittert vor meinem Wort.

Diese göttliche Information ist unbequem, denn sie berührt die Frage, was für uns vorrangig zählt, was für einen selber in der Daseinsgestaltung Richtschnur ist, und nach welchen Maximen wir Gemeinde sind. Worum geht es uns?

Ich blicke auf den, der zittert vor meinem Wort.

Zittern ist hier als Ausdruck von Ehrfurcht zu verstehen. Vor Gottes Wort sollen wir erzittern! Wir sollen es groß anerkennen, ihm enormen Wert zusprechen; alles Tun und Unterlassen – gerade auch in der Gemeinde – ist vor allem anderen daran auszurichten!

Das rührt an unserem Selbstverständnis!

Beim Propheten Jesaja ist nicht die Rede vom Erzittern vor Hierarchien, oder vor Strukturen, Plänen, Ordnungen und dergleichen, auch nicht von lieb gewonnenen Traditionen, es geht einzig und allein um das Erzittern vor Gottes Wort.

Ein weiterer Impuls ist eine göttliche Negativ-Aussage, die wir für unsere Frage ins Positive drehen müssen. Im Blick auf die Vielen, die den unterschiedlichsten Götzen und Opferpraktiken frönen, spricht Gott:

Denn sie gaben keine Antwort, als ich sie rief,

als ich zu ihnen redete, hörten sie nicht.

…und das missfällt ihm gewaltig.

Hören und antworten, wenn Gott ruft!

Und Gott rief auch uns:

  • in der Taufe, um seine Kinder zu sein,
  • er ruft uns als seine Gemeinde, jetzt und hier, um Volk Gottes zu bilden,
  • und er ruft stets neu in all den Herausforderungen und Fragen, die das Leben in dieser Zeit mit sich bringt.

Als Gottes Gemeinde, die bei ihm Gefallen findet, sollen wir hören und antworten. Das heißt:

  • Es geht uns um ein bewusstes Leben in dieser Zeit.
  • Das, was aktuell ist, machen wir in unserem Reden und Beten zum Thema, im Danken, Loben und Klagen.
  • Und wir reagieren, im Handeln und im Bitten in unseren Gottesdienstfeiern.

Wir sind Gottes Volk an diesem Ort zu dieser Zeit.

Hören und antworten wir!

Liebe Schwestern, liebe Brüder.

Wir feiern unser Titularfest – Maria Heimsuchung, und wir feiern damit auch dieses unser Haus.

Viele Hände haben einst angepackt, um es zu errichten. Viele haben gespendet. Bis heute sorgen und mühen sich viele um diese unsere Kirche, damit sie intakt, gepflegt und geschmückt ist.

Viele, sehr viele engagieren sich für die Gottesdienstfeiern, die wir hier miteinander begehen: die Ministrantinnen und Ministranten, die Lektoren und Kommunionhelfer, die Mesner, Organisten, Musikgruppen, die Geistlichen, die hier Gottesdiensten vorstehen, die Blumenschmuckverantwortliche, das Kircheputz-Team, das Kinderkirche-Team, und, und, und.

Nach unserem menschlichen Ermessen dürfte vieles, was wir hier tun, bei Gott Gefallen finden.

Zugleich aber ermuntert und mahnt uns sein Wort in dieser Feier, sehr aufmerksam und bewusst hier in und um dieses Haus herum Gottes Gemeinde zu sein:

  • indem wir ihm auch unsere Armut und unser Zerknirscht-Sein ehrlich entgegen halten,
  • indem wir unser Leben ganz bewusst und vor allem anderen unter sein Wort stellen, und es tatsächlich danach ausrichten,
  • und indem wir als Gemeinde auf sein Rufen in dieser Zeit hören und Antwort geben.

Gehen wir als Gemeinde miteinander unter diesem göttlichen Anspruch den Weg in die Zukunft.

Amen.

Pfarrer Matthias Bambynek

Pfarrei Maria Heimsuchung

Bubenreuth