Aktuelles | Was ist, wenn ... | Gottesdienste | Einrichtungen | Gruppen | Glaube | Kirchen | Kontakt
Boxbild
  Druckversion   Seite versenden

Palmsonntag, 17.04.2011

Impulse zum Hören der Passionsgeschichte in der Liturgie am Palmsonntag

Die Spannung, die die biblische Überlieferung aufbaut, ist riesig:

Vorhin haben wir den Ruf im Evangelium gehört und ihn sogar selber gesungen:
„Hosanna, dem Sohne Davids!“ 

Jesus ist für die Menschen wie ein gern gesehener König, der lange erwartete Erlöser;
ihm singt man aus ganzem Herzen Freudenpsalmen,
ihm winkt man begeistert zu,
ihm zur Ehre breitet man Kleider aus, damit er wie auf einem Teppich in die Stadt Jerusalem gelangen kann.

Was ihn dort erwartet ist freilich das totale Gegenstück:
„Ans Kreuz mit ihm!“schreien die Menschen nur wenige Tage später.
Und Pilatus wird dem Drängen der Massen nachgeben.

Wir wissen, was folgt:
Die Verspottung durch die Soldaten, der Weg zur Hinrichtungsstätte, dort die in vieler Hinsicht schmerzenden Handlungen der Erniedrigung.

Am Kreuz hängend wartet Jesus auf den Tod.
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?!“
Dieses Psalmwort schreit er mit letzter Kraft aus sich heraus.
Dann stirbt er.

So werden wir es gleich aus der Passion nach Matthäus zu hören bekommen.

Diese sich aufbauende Spannung vom „Hosanna, dem Sohne Davids!“ zum später skandierten „Ans Kreuz mit ihm!“ ist ungeheuerlich.
Das Geschehen macht uns fassungslos, jedes Jahr aufs Neue.

Lieber Schwestern, liebe Brüder!

Über das Jahr verteilt hören und lesen wir von und über Jesus,
was er tut, redet und wie er sich gegenüber den Menschen seiner Zeit gibt.
In uns baut sich Sympathie für ihn auf,
er wächst uns ans Herz – manchmal singen wir sogar:
„Liebster Jesus…“

Begeistert feiern wir Weihnachten,
dass er, der Gottessohn, Mensch ist, einer von uns.

In der Passionsgeschichte nach Johannes, die am Karfreitag verlesen wird, hören wir wieder, wie Pilatus ausruft:
„Seht, welch ein Mensch!“ – und er lenkt damit die Blicke aller auf den durch die Geißelung misshandelten Jesus.

Der Gottessohn leidet wie ein Mensch. – Und dieses realisierend macht einen betroffen, lässt einen mitleidend werden.

Wozu nur das alles?
Es soll ein Heilsweg sein, den Jesus da auf sich nimmt.

Das zu entdecken, ganz für sich, ist die große Herausforderung, die sich uns stellt.
Jedes Jahr neu, so auch in dieser Karwoche, in die wir heute einsteigen.


Matthias Bambynek
Pfarrer in der Pfarrei Maria Heimsuchung

Palmsonntag 2011