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Faschingspredigt 2010

6. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C): Lk 6,17.20-26

„Es war schon immer so gewesen!“ – so bekomm’ ich es oft zu hören –

„Zu Fasching muss der Pfarrer in Reimform lehren!

 

Nicht zu lang und nicht zu schwer,

so hätten wir es gern, bitte sehr!

 

Ein leichter Gedanke, mal was zu lachen,

das könnte einem Freude machen!“

 

Seit Wochen schon wird „Fasching“ im Fernsehen gesendet.

Ehrlich: Ich werde froh sein, wenn das am Mittwoch nun endet.

 

Ich selber bin ein Faschingsmuffel, das gebe ich gern zu,

statt einer Karnevalssendung hab’ ich lieber meine Ruh.

 

Trotzdem hab’ ich Spaß an gutem Witz und spitzer Ironie,

nur: Wo bitte schön, bekommt man sie?

 

Schrille Schenkelklopfer kann ich als Pfarrer hier nicht bringen,

und ich will auch keine platten Lieder singen.

 

Auch Tanzen wäre auf der Kanzel nicht angebracht:

Erstens, weil ich das nicht will, und zweitens, weil man das einfach nicht macht.

 

Biete ich aber nichts, könnt ich schnell als Spaßbremse gelten

und ewig würde man mich hier einen „Stimmungstöter“ schelten.

 

Natürlich sehe ich durchaus auch die Schwierigkeit,

dass wir uns als Kirche zu sehr konzentrieren auf Sünde, Tod und Leid.

 

Haben wir nicht auch und besonders für das Schöne im Leben zu steh’n?

Geduld! Geduld! – wir werden es gleich sehen:

 

So will ich’s erstmals mit Reimen probieren.

Von manch strengem Katholiken werde ich dafür strenge Blicke kassieren.

 

Was soll’s, überhaupt muss ich damit leben,

dass in meiner Gemeinde die Erwartungen und Wünsche auseinander streben.

 

So folge ich einfach doch der Tradition, diesem Brauch

und reime meine Predigt heute – wie andere vor mir – auch.

 

Liebe Schwestern, lieber Brüder,

vermutlich machen gelegentlich auch sie die ätzende Erfahrung,

manchentags gibt’s eine schier unerträgliche Paarung:

 

Ständig läutet das Telefon,

alle wollen was, man fühlt sich selber wie ein Depp, wie ein Clown.

 

Da soll man sein, und dort noch was schreiben.

Wie soll man so seine Arbeit machen und ruhig bleiben?

 

Noch ein Termin und eine weitere „kurze“ Frage,

man kommt zu nichts, so neigen sich die Tage.

 

Allmählich wird man unzufrieden und fühlt sich leer.

Wo nur kommen Hilfe, Erlösung, ein Ende von all dem her?

 

So kann es jedenfalls nicht weiter funktionieren,

sonst könnte man grundsätzlich die Freude an allem verlieren.

 

Irgendwie müsste man auf die Bremse treten,

oder doch nur auf Besserung warten und beten?

 

„Wann doch bitte auch für mich mal ein Wunder geschieht,

damit auch meine Alltagswelt danach einfach wieder besser aussieht!“

 

So jedenfalls habe ich mich vor einiger Zeit gefühlt,

denn ständig wurde mir ein neues Problem ins Pfarrhaus gespült.

 

Es war, als würd’ ich in einem Strudel kreisen,

und ich habe keine Idee mehr, um mir selber den Weg da heraus zu weisen.

 

Ich habe getan, erledigt und gemacht,

und das alles hat mir nur Unzufriedenheit gebracht.

 

So ein Tag ist vergangen, es klingelt abends an meiner Tür.

„Wer will denn jetzt schon wieder was von mir?“

 

Missmutig gehe ich noch vorn und mache auf.

Das, was zunächst störte, nimmt plötzlich einen genialen Verlauf.

 

Ein lieber Mensch will mich einfach nur besuchen,

und er hat sogar etwas dabei: Was zu naschen, ein Buch oder einen Kuchen?

 

Eine Schachtel bekomme ich in meine Hände gedrückt.

So schnell kann es gehen; werden schlechte Stimmungen zur Seite gerückt!

 

Schön ist’s, einfach gute Freunde zu kennen,

um ihnen gegenüber ehrlich auch die eigenen Sorgen zu benennen.

 

Noch schöner ist’s, von ihnen ein Geschenk zu empfangen

und sich so langsam zu lösen von all dem Ärger, dem Stress, dem Bangen.

 

Behutsam nun löse ich von der Schachtel das Band.

„Was verbirgt sich nur da drinnen?“ – Ich bin sehr gespannt.

 

Zunächst erkenne ich nichts, sehe nur buntes Papier.

„Ein schlechter Scherz? Was soll das denn hier?“

 

Ich taste, suche, schaue genauer hin.

Tatsächlich: Da ist doch was Gescheites drin.

 

Ganz rot und rund und leicht ist die kleine Gabe.

Die ich mir dann sofort aufgesetzt habe.

 

Ich laufe zum Spiegel und bekomme mich so selber zu sehen.

Irgendwie kann ich, was jetzt passiert, nicht recht verstehen.

 

Vor wenigen Minuten noch war ich traurig, müde, genervt von nervigen Sachen.

Als ich mich nun selber erblicke, muss ich plötzlich lachen.

 

Eine kleine rote runde Schaumstoffnase verändert mein Gesicht,

und all das Schwere, das mich traktierte, verliert irgendwie sein Gewicht.

 

Dieses kleine Geschenk, diese Nase, lässt mich eben mal Grimassen schneiden.

In den Hintergrund treten so die Sorgen um all die Alltagsleiden.

 

Es gibt so besondere Momente, die verändern des Lebens Lauf.

Ich jedenfalls war durch diesen Abendimpuls danach ganz anders drauf.

 

 

Manch frommer streng katholischer Geist wird sich fragen:

“Hat denn der Pfarrer nichts über Gott zu sagen?

 

Das, was er plaudert, klingt nett, dass kann er schon mal bringen.

Nur: Hat er denn nichts zu verkünden in klassischen Glaubensdingen?

 

Überall sieht’s schlimm aus in Sachen Kirche, Glauben und Religion,

und er schmückt sich da vorn mit der Nase von einem Clown.

 

Es wäre dringend Zeit, mal allen ordentlich Bescheid zu geben,

damit die Menschen aufhören, so liederlich und einfach nur so dahin zu leben.

 

Man könnt als Pfarrer heute schon auf die Fastenzeit verweisen,

statt stets und ständig nur um das Normale, das Alltägliche zu kreisen!

 

Warum nur redet er den Menschen nicht mal richtig ins Gewissen?“

Es wird hier sicher einige geben, die eine donnernde Predigt wirklich vermissen.

 

Ich schlage vor:

Wir wagen einen knappen Blick in das Evangelium vom Tage.

So löst sich vielleicht die eine oder die andere Frage.

 

Lukas hat diese Zeilen einst aufgeschrieben.

Den meisten von ihnen sind sie vom früheren Hören im Gedächtnis geblieben.

 

Diese Worte und Ideen Jesu können vermutlich kaum noch irritieren.

Es unternehmen daher nur wenige, an sie einen weiteren Gedanken zu verlieren.

 

Die Seligpreisungen nehmen Arme, Hungernde und Weinende in den Blick.

Grundsätzlich ist das für alle Bedrückten durchaus ein Glück.

 

Nur: Was kann es mir und meinem Leben tatsächlich bringen?

Was könnte als hilfreicher Impuls in mein Dasein dringen?

 

Lediglich die Vertröstung auf den Himmel und die Ewigkeit?

Ist’s dann erst aus mit all dem Elend, der Armut, dem Leid?

 

Wer diese Worte Jesu allein so versteht,

der hat – Sorry! – leider nicht begriffen, worum es Jesus wirklich geht.

 

Hier und jetzt soll das Leben gelingen,

freilich, die Krönung des Ganzen wird erst das Jenseits bringen.

 

Nochmal:

Jesus will jetzt schon, dass Schluss ist mit dem, was Menschen schindet,

eine neues Leben bereits hier auf Erden – das ist’s, was er verkündet.

 

Wer sich oft betrogen fühlen muss um gute Lebensmöglichkeiten,

der oder den können seine Worte die Lebenshorizonte weiten.

 

Mit seinen Gedanken zur Seligkeit bezieht er ganz klar Position!

Und das ist mutig! – Wer sonst wagt das schon?

 

An diesen Jesus sind wir durch die Taufe gebunden.

Ich für mich persönlich habe in diesen Jesusworten wirklich Hoffnung gefunden.

 

Auf ihn ist Verlass, ihm kann ich trauen.

Wer ihn ernst nimmt, kann für sich mit ihm neue Lebensperspektiven bauen.

 

 

Der Gipfel der Botschaft aber ist für mich ein ganz kurzer Satz.

Genauer betrachtet ist dieser Zuruf Jesu ein wirklicher Schatz:

 

„Freut euch und jauchzt!“ – hat Jesus allen verkündet.

Ich meine, dass sich in diesen Worten ein Lebensmotto befindet.

 

Mitten hinein in unser Leben wird diese Botschaft gesendet,

die freilich nicht jegliche Not und alle Sorgen beendet.

 

Wohl aber wird ihnen, mir und uns allen in Erinnerung gebracht,

worum es letztlich geht und was unser Zentrum ausmacht.

 

Wir können uns mühen, kreisen, werkeln und uns auch frustrieren.

Das alles aber braucht nicht auch noch unsere eigentliche Hoffnung kaschieren.

 

Jesus sagt jedem, der bei ihm steht,

worum es im Eigentlichen geht.

 

Er will uns helfen, unser Leben zu leben.

Und er vermag uns eine neue Idee, einen Impuls zu geben.

 

„Freut euch und jauchzt!“ – dieser Ruf heute ist für mich wie die kleine Gabe,

die ich damals abends an meiner Tür empfangen habe.

 

Diese Worte Jesu sind für mich wie ein Geschenk von ganz oben.

Für diese wirklich frohe Nachricht will ich – werden wir Gott nun loben.

 

Es tut einfach gut, das wieder neu zu hören:

Besonders denen am Rande will Jesus echte Freude „lehren“.

 

Seine Worte treffen die Schwachen, die Trauernden und all die Lahmen.

In dieser Zuversicht sag ich jetzt einfach „Amen.“

Matthias Bambynek,

14.02.2010

Faschingspredigt 2010 

6. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C): Lk 6,17.20-26