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Texte im Gottesdienst mit Spendung des Sakraments der Krankensalbung

im Rahme der Aktion LebensMUT der Kolpingfamilie Bubenreuth

am Samstag, 15. Okt. 2011

Die alttestamentliche Lesung aus dem Buch Genesis [Gen 28,10-19a]

Jakob zog aus Beerscheba weg und ging nach Haran.
Er kam an einen bestimmten Ort, wo er übernachtete, denn die Sonne war untergegangen. Er nahm einen von den Steinen dieses Ortes, legte ihn unter seinen Kopf und schlief dort ein.
Da hatte er einen Traum:
LebensMUT 2011
LebensMUT 2011

Er sah eine Treppe, die auf der Erde stand und bis zum Himmel reichte.
Auf ihr stiegen Engel Gottes auf und nieder.
Und siehe, der Herr stand oben und sprach:
Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks.
Das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben.
Deine Nachkommen werden zahlreich sein wie der Staub auf der Erde. […]
Ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst, und bringe dich zurück in dieses Land.
Denn ich verlasse dich nicht, bis ich vollbringe, was ich dir versprochen habe.
Jakob erwachte aus seinem Schlaf und sagte:
Wirklich, der Herr ist an diesem Ort und ich wusste es nicht.
Furcht überkam ihn und er sagte:
Wie Ehrfurcht gebietend ist doch dieser Ort!
Hier ist nichts anderes als das Haus Gottes und das Tor des Himmels.
Jakob stand früh am Morgen auf, nahm den Stein, den er unter seinen Kopf gelegt hatte, stellte ihn als Steinmal auf und goss Öl darauf.
Dann gab er dem Ort den Namen Bet-El, das heißt übersetzt „Gotteshaus“.

Drei deutende Zwischenrufe

Der erste Zwischenruf

Eine biblische Geschichte, die einem aus dem Herzen spricht.
Sie erzählt von Jakob, wie er verunsichert, mit keinem guten Gefühl in sich, und vor allem ängstlich seinen Weg durch die Wüste sucht.
Jakobs Weg ist lang, steinig und trocken.
Er ist allein und er leidet unter der Einsamkeit.
Jakob wird zur Flucht gezwungen. Er kann nicht daheim bleiben.
Mit dem Wissen seiner Mutter hat er seinen Vater Isaak arglistig getäuscht und seinen Bruder Esau gegen sich aufgebracht.
Nach allem Hin und Her muss weg aus seiner angestammten Umgebung.
Dabei ist sein Ziel ungewiss.
Das ist eine Geschichte, die vor langer, langer Zeit spielt, und doch ist sie ganz nah dran an dem, was Menschen auch heute erleben.
Über alle Generationen hinweg bis hinein in unsere Tage durchleiden einzelne von uns genau diese Erfahrungen:

Ich bin gezwungen, einen Weg in Angriff zu nehmen.
Da muss ich jetzt durch.
Die Durststrecke muss ich hinter mich bringen.
Was folgt, ist ungewiss.
Es geht aber nicht anders, zum Wüstenweg gibt es keine Alternative.

Der zweite Zwischenruf

Jakob kommt an einem fremden Ort an. Aus purer Erschöpfung macht er Station:
inmitten der Finsternis, auf unbekanntem Terrain, ungeschützt und allein.
Das Lager, auf dem er Ruhe sucht, ist ein Stein.
Hart, kantig, kalt.
Unter unsagbar unbequemen Umständen hofft Jakob auf stärkenden Schlaf und neue Kraft.

Auch darin ist diese alte Geschichte für manche sehr vertraut.
Man meint, es kann nicht schlimmer kommen – und doch ist der nächste Schritt mit einer neuen Zumutung verbunden:

Ich will einfach meine Ruhe haben – aber neues Ungemach bedrückt mich, tut mir weh, setzt mir zu.
Ich sehne mich nach Wärme, Zuwendung und Liebe – aber die Realität bleibt bitter.
Nach allem, was war, müsste es doch jetzt besser laufen – aber die nächst Enttäuschung erwartet mich bereits.
Mein Schicksal erscheint mir hart, kantig, kalt.

Der dritte Zwischenruf

Wird Jakob nach diesem Wüstenweg Ruhe und Schlaf finden, umgeben von Unbekanntem, auf hartem Stein liegend mit Blick in die Weite der dunklen Nacht?
Vielleicht schlummert er sofort ein, schließlich ist er restlos erschöpft.
Vielleicht aber liegt er da, schaut zum Himmel und lässt dabei seinen Gedanken freies Spiel. Sie fliehen dabei in die Vergangenheit, zu dem, was war, und was nicht mehr zu ändern ist.
Jakob durchlebt noch einmal die Situationen daheim, in seiner Familie, all das, was ihn schließlich durch die Wüste ins fremde Land auf diesen Stein getrieben hat.

Nicht enden wollende Nächte, mit offenen Augen durchwacht, bis der Schlaf einen endlich doch einfängt – auch das ist vielen heute nicht fremd.
Auch diese Erfahrung verbindet uns mit Jakob, dem Geflohenen, dem Wüstenwanderer, dem Einsamen, dem Erschöpften, dem Gequälten.

Wann finde ich endlich Ruhe?
Warum kreisen meine Gedanken nur ständig ums Gestern?
Was ist nur los mit mir?
Könnte ich doch nur endlich einschlafen?
Vielleicht schaut die Welt morgen doch etwas besser aus, als das trübe Heute?

Das Evangelium nach Johannes [Joh 1,49-51]

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:
Auf dem Weg nach Galiläa sucht Jesus Männer, die sich ihm anschließen.
Er trifft auf Natanael, einem Israeliten.
Dieser sagt zu Jesus:
Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel!
Jesus antwortet:
Du wirst noch Größeres sehen.
Und weiter:
Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn.

Die Predigt
LebensMUT 2011
LebensMUT 2011

Liebe Schwestern und liebe Brüder!
Bedrückend sind die Erfahrungen, die Jakob zuletzt einfahren musste:

 

  • Da ist der lange und kräftezehrende Weg aus dem vertrauten ins unbekannte Land,
  • dann das steinige Lager, auf dem er sich erschöpft niederlegt, um auszuruhen,
  • und letztlich sind es die quälenden Erinnerungen an die jüngste eigene Vergangenheit, an den familiären Zwist, die ihn nicht in Ruhe lassen dürften.

 

Manche und mancher unter uns wird sich leicht hineinfinden in dieses Erleben, wie es Jakob durchmacht.
Einiges erinnert womöglich an ähnliche Situationen, die in ihrem je eigenen Leben gegenwärtig ablaufen oder die sich in der Vergangenheit ereignet haben.
Zu diesem nachmittäglichen Gottesdienst hier in der Pfarrkirche sind Kranke und Gesunde, Junge und Alte, Einsame und aktive eingeladen – und sie sind der Einladung gefolgt.
Über die Generationengrenzen hinweg feiern wir dieses unser Fest unseres Glaubens.

Vermutlich sehnen sich einige von ihnen dringend nach Zuspruch und Stärkung, weil ihnen das Leben momentan leider seine frostigen und stürmischen Seiten hinhält.
Die Gründe, die einen dahin führen, dass man sich leer, erschöpft, ängstlich, unruhig oder gequält fühlt, sind unterschiedlicher Natur:
eine körperliche Erkrankung

  • ein seelisches Leiden
  • der Zustand allgemeiner Erschöpfung, weil ihnen zuletzt einfach zu viel abverlangt wurde
  • oder die Qualen eines Zwistes in der Partnerschaft, in der Familie, in der Nachbarschaft.

Als der gebeutelte Jakob nach langer Wanderschaft auf einem Stein liegend Schlaf gefunden hat, ereignet sich für ihn Wunderbares.
Er träumt.
Er träumt von einer Leiter, die vom Himmel zu ihm hinunter auf die Erde reicht.
Engel steigen auf und nieder.
Und Jakob hört im Traum eine Stimme. Es ist Gottes Stimme.
Jakob hört davon, was Gott mit ihm alles vor hat.
Auf einmal bekommt er eine neue Perspektive für sein Leben.
Es geht weiter.
Im Traum hört er von der Treue Gotte, davon, dass Gott stets bei ihm ist, ganz gleich, wo er zukünftig sein Dasein fristen wird.

Als der Traum ausgeträumt ist, reibt sich Jakob etwa nicht nur die Augen und schüttelt den Traum von sich.
Nein, er realisiert, dass ihm in diesem Traum etwas gezeigt und gesagt wurde, was er inmitten all des Trubels und all der Lasten seines Daseins vergessen hatte:
Gott ist dabei. Gott ist treu. Gott will das Leben. – Auch und gerade für ihn.

An diese biblische Geschichte des Alten Testamentes knüpft die kurze Begebenheit an, die der Evangelist Johannes vom Anfang des Auftretens Jesu erzählt.
Es sind Worte einer Verheißung, die Jesus an Natanael gerichtet letztlich uns allen, die wir die Frohe Botschaft hören, zuspricht:
Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn.

  • Der offene Himmel,
  • Engel, die die Beziehung zwischen Gott und uns Menschen lebendig halten,
  • und inmitten von all dem er, der Menschensohn, ganz nahe bei uns.

Mit all den Erfahrungen, die wir in uns tragen, mit all unseren Hoffnungen, Sehnsüchten und Wünschen, hören wir diese zwei biblischen Geschichten.
Wir erkennen in Jakob einen, der Manches ähnlich erlebt wie wir.
Wir erfahren von seinem traumhaften Erlebnis, das ihn am nächsten Tag aufstehen und das Leben wieder anpacken lässt, weil er neues Gottvertrauen gefunden hat.
Und uns wird die Verheißung Jesu zugesprochen, die er parat hält für alle, die sich auf ihn einlassen.

Liebe Schwestern und liebe Brüder!
Im Sakrament der Krankensalbung können sie vielleicht diese Erfahrung neu machen:

  • Inmitten ihres Daseins wendet sich ihnen Gott zu.
  • Er ist dabei.
  • Er ist ihnen treu.
  • Er will auch für sie das Leben.

Auch ihnen gilt die Verheißung Jesu:
Der Himmel ist offen und er, Jesus, der Menschsohn, mitten unter uns.
Inmitten ihres Lebens.
Diese Erfahrung wünsche ich ihnen.
Amen.

Matthias Bambynek
Pfarrer in Bubenreuth